Karmelitinnenkloster Himmelspforten

Advent / Weihnachten 2015
Liebe Verwandte, Freunde und Wohltäter!

 „Als sie dort (in Betlehem) waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“
(Lk 2, 6f)

 Als Jesus Christus, Gottes Sohn, Mensch wurde, um unser Leben zu teilen und uns wieder den Zugang zu Gott zu erschließen, war für ihn kein Platz auf dieser Erde. Die Frage nach dem Platz für die Fremden beschäftigt uns auch heute in hohem Maß. Viele Tausende von Menschen kommen zu uns auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung mit der Hoffnung, einen Ort zu finden, wo sie und ihre Familien in Sicherheit leben können. Die Heilige Familie erfuhr am eigenen Leib, was ein Leben in der Fremde bedeutet, kurz nach der Geburt mussten sie nach Ägypten fliehen, um das Leben des Kindes zu retten, denn Herodes trachtete ihm nach dem Leben. Auch heute wird vielen Menschen nach dem Leben getrachtet. Geben wir ihnen ein sicheres Obdach, damit auch sie ein Leben ohne Angst und Gewalt führen können. „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.“ – vielleicht ist es ein Anruf des Herrn heute, unsere Herzen zu öffnen und so – im Schritt auf den Anderen zu – dem Herrn zu begegnen und etwas von der Freude des Evangeliums zu erfahren, die sich erst im Herausgehen aus dem Eigenen erschließt.

Wieder liegt ein ereignisreiches Jahr hinter uns, und gerne berichten wir Ihnen ein wenig von dem, was uns im vergangenen Jahr alles bewegt hat. Wie in jedem Leben gab es viel Freud und viel Leid, aber auch immer die Erfahrung der Führung und Begleitung des Herrn.

Am 10. Januar durfte unsere Sr. Lucia vom Heiligen Geist ihr Goldenes Professjubiläum begehen. Viele Verwandte und Freunde aus ihrer Heimat in Zimmern waren gekommen, um mit ihr zu feiern und zu danken, aber auch, um etwas von der Gnade der Berufung und der Freude, die aus der Ganzhingabe an Christus, den Herrn, und seine heilige Mutter erwächst, zu erfahren. Unser Mitbruder, P. Michael Jakel OCD, der auch aus der Heimat von Sr. Lucia stammt, stand dem festlichen Hochamt vor und sieben Konzelebranten beteten mit, dass Sr. Lucia zur Vollendung der Liebe gelange, wie es in der Professformel heißt.

Am 23.1. stand schon das nächste Fest vor der Tür: Unsere Sr. Regina, durfte Ihren 85. Geburtstag begehen. Gerne feierten wir mit ihr diesen runden Geburtstag und freuen uns, dass sie immer noch unermüdlich bei uns die Orgel spielt und das Offizium begleitet.

Unser hochwürdigster Herr Bischof Dr. Friedhelm Hofmann besuchte uns am 30. Januar. Er hielt bei uns den Gottesdienst, daran schloss sich ein gemeinsames Frühstück in unserem Refektorium an. Es war eine schöne Begegnung, an die wir uns gerne erinnern.

Nach diesen freudigen Ereignissen mussten wir Abschied nehmen von unserer langjährigen Priorin Sr. Maria, die ja viele von Ihnen sicherlich noch gut kennen. Nach ihrem Treppensturz am 24. August 2014 wurde sie immer schwächer und war immer mehr auf Hilfe angewiesen, konnte aber bis zum Tag vor ihrem Tod noch teilweise am Gemeinschaftsleben teilnehmen. Sie war bis zuletzt an allen interessiert, und ihr mütterliches Herz nahm bis zum letzten Atemzug an allem Anteil. An ihrem Todestag, dem 6.2., wollte sie noch in die Heilige Messe gehen, aber der Herr wollte ihr auf eine andere Weise begegnen. Sie darf jetzt ihren Herrn und Bräutigam von Angesicht zu Angesicht schauen und von dort unermüdlich weiter eintreten für die Kirche und all das Leid und die Sorgen der Menschen. Wir sind sehr dankbar für das Lebenszeugnis von Sr. Maria, hat sie doch unseren Konvent nachhaltig geprägt und die ganze Kraft ihres Lebens für ihn und alle Menschen, die zu uns kamen, eingesetzt.

Passend zum Jahr der Orden lautete das Thema unserer Jahresexerzitien (28.02.-7.3.), welche P. Alban CP, ein Passionist aus Maria Schutz in Österreich, gehalten hat: „Berufungswege im Alten und im Neuen Testament“. Sind wir doch alle jeden Tag neu eingeladen, uns immer wieder rufen zu lassen für den Auftrag eines jeden Tages.

Gleich nach den Exerzitien, am 8.3.15, rückten bei uns die Dachdecker an, um unser Pfortendach neu zu decken, welches doch etwas in die Jahre gekommen war. Jetzt erstrahlt es in frischem Glanz und hält hoffentlich wieder für die nächste Generation.

Außerdem haben wir den Dachboden unseres Haupthauses isolieren lassen. So hoffen wir, nachhaltig unsere Heizkosten senken zu können und gleichzeitig etwas für den Klimaschutz zu tun. Während der großen Hitze im Sommer haben wir den Nutzen schon deutlich gespürt und wir sind jetzt auf den ersten Winter gespannt, in der Hoffnung, dass sich diese Investition auch in unserer Heizkostenrechnung bemerkbar macht. Ein weiteres Bauprojekt dieses Jahres war unsere Klausurmauer. Die Ziegelabdeckung war zum großen Teil nach dem Krieg nur einfach gedeckt worden, mit der Folge, dass die Ziegel jetzt langsam ins Rutschen gekommen sind. Der Regen und die Feuchtigkeit haben die Mauer gründlich unterspült. Eine mühevolle Kleinarbeit für die Dachdecker, welche mit viel Muskelarbeit verbunden war. Viele Säcke Zement wurden gebraucht, um die größten Schäden auszubessern.

Ansonsten haben wir dieses Jahr eine Biooffensive bei uns im Garten gestartet. Wir haben einige Bereiche in Nützlingswiesen umfunktioniert, haben ein paar Insektenhotels und Vogelnistkästen aufgehängt, um so einen kleinen Beitrag zum Artenschutz zu leisten und zur Erhaltung der Schöpfung beizutragen. Außerdem gibt es dadurch im Garten viel Neues zu entdecken und zu beobachten, was in der freien Zeit gerne von den Schwestern wahrgenommen wird. Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist die Wiederbelebung unseres Hühnerstalls, was nicht nur zu frischen Eiern von glücklichen Hühnern führt, sondern auch den Schwestern, jung und alt, viel Freude bereitet.

Am 16.8. bekamen wir schönen Besuch. Die Novizinnen der Provinz mit ihren Ausbilderinnen waren im Rahmen ihrer Noviziatswerkwoche einen Nachmittag bei uns zu Gast. Nach Kaffee, Kuchen und Klosterbesichtigung sangen wir gemeinsam die Vesper. Ein sehr erbauendes Erlebnis mit den vielen guten Stimmen. Nach einem lebhaften gemeinsamen Abendessen im Kreuzgang machten sich unsere Gäste wieder auf den Weg nach Münsterschwarzach, um sich weiter mit dem Thema der Gelübde zu beschäftigen.

Geprägt hat das vergangene Jahr natürlich unser großes Ordensjubiläum: 500 Jahre Teresa von Avila. Im gemeinsamen Kapitel und auch privat haben wir uns in besonderer Weise mit ihren Schriften beschäftigt. Ihren Geburtstag am 28. März haben wir festlich begangen. Am 18.4. feierten wir noch einmal gemeinsam mit der Würzburger Karmelfamilie, also den Mitbrüdern aus der Sanderstraße, der teresianischen Karmelfamilie und unseren Mitschwestern aus Rödelmaier. Begonnen hat der Tag um 10.00 Uhr mit einem schönen Gottesdienst, Hauptzelebrant war P. Elias Haas OCD, der Prior unserer Mitbrüder, Festprediger war P. Prof. Dr. Johannes Nützel OCarm. Die musikalische Gestaltung wurde von unserer Sr. M. Regina und den Mitschwestern aus Rödelmaier übernommen. Daran schloss sich eine gemeinsame Begegnung an, in der sich die verschiedenen Mitglieder der teresianischen Familie vorstellten und jeder persönlich erzählen konnte, was ihm an unserem Charisma wichtig ist. Nach einem Imbiss, für den jeder etwas mitbrachte, folgte zum Abschluss die feierliche Vesper mit einer Predigt von P. Michael Jakel OCD. Bestärkt und bereichert durch diesen Tag, machte sich jeder wieder auf seinen Weg, um dem Charisma Teresas in seinem je eigenen Umfeld Gestalt zu geben.

Am 15.10., dem Festtag der heiligen Teresa, hielt H. H. Domdekan Prälat Günter Putz bei uns das Hochamt und beschenkte uns wieder mit einer sehr tiefen und beeindruckenden Predigt. Mit ihm konnten wir am 2. Juli auch sein 40-jähriges Priesterjubiläum feiern, was ein schönes Zeichen unserer langjährigen Verbundenheit ist.

Einen weiteren Höhepunkt der Feierlichkeiten bildete der offizielle Abschlussgottesdienst des Jubiläumsjahres, welcher am 17.10. bei unseren Mitbrüdern in der Sanderstraße stattfand. Unser Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, leitete den Festgottesdienst, an dem auch zahlreiche Karmelitinnen aus anderen Konventen in Deutschland teilnahmen.

Da die heilige Teresa für uns nicht nur ein willkommener Anlass zum feiern ist, sondern ihre Spiritualität auch unser leben prägen soll, haben wir uns am 21. Oktober im Rahmen eines Einkehrtages mit ihrem Weg der Vollkommenheit beschäftigt. Frau Dr. Ziegler von der Cassianstiftung in Münsterschwarzach zeigte uns die Verbindungen zwischen der Spiritualität der Wüstenväter und unserer Ordensgründerin auf. Es war ein sehr interessanter Tag, von dem wir wichtige Impulse in unseren Alltag übernehmen konnten. Ein herzliches Vergelt’s Gott für dieses besondere Geschenk.

Dankbar sind wir übrigens auch für die vielen guten Vorträge, mit denen wir in diesem Jahr beschenkt wurden. P. Elias Haas OCD arbeitete mit uns an den Texten der heiligen Teresa von Avila, Herr OStR Wenzel brachte uns wichtige Impulse zum Jahr der Orden nahe. Mit der Flüchtlingsthematik haben wir uns mit Herrn Dr. Leineweber beschäftigt. Edith Stein war das Thema von Herrn Pastoralreferent Christoph Heizler aus Lörrach, P. Karl Pemsl OT hielt einen Vortrag über den Seligsprechungsprozess der Kaiserin Zita von Österreich und Bruder Leopold Mader ofm gab uns praktische Hinweise für die Spiritualität des Alltags. Allen Vortragenden sei ein herzliches Vergelt’s Gott gesagt, ebenso allen Priestern, die uns durch ihren treuen Dienst die tägliche Messfeier ermöglichen. Hier gab es in diesem Jahr auch viel zu feiern: Herr OStR Wenzel konnte mit uns sein silbernes Priesterjubiläum feiern, Herr Pfr. Dr. Schenk, Herr Pfr. Benker und Herr Pfr. Ritter durften sogar dankbar auf 50 Jahre im Dienste des Herrn zurückblicken. Wir feierten gerne mit und sind froh über ihre Verbundenheit mit unserem Konvent. Leider mussten wir auch von einem treuen Priesterhelfer und -freund Abschied nehmen: Am 22.7. erlag Herr Pfr. Alfred Pötter einem Herzinfarkt. Der Herr möge ihm all seinen seelsorglichen Einsatz und seinen pastoralen Eifer reichlich vergelten und ihn aufnehmen in sein Reich.

Beschenkt wurden wir in diesem Jahr auch durch drei Primizsegen. Herr Kaplan Jens Körber aus dem Bistum Fulda, dessen Weg wir und besonders unsere Sr. Elija schon lange begleiten, brachte sogar den Kirchenchor seiner Praktikumspfarrei in Hanau mit, welcher dem Gottesdienst musikalisch einen festlichen Rahmen gab. Weitere Primizianten in diesem Jahr waren P. Carlos LC und P. Benjamin Furthner SJ. Wir danken den Neupriestern für ihren Segen und begleiten sie gerne weiter im Gebet auf ihrem priesterlichen Weg, damit sie die Herzen der Menschen erreichen mögen.

Neu auf den Weg gemacht hat sich auch Andrea Hurler, eine junge Frau aus dem Bistum Augsburg, die seit dem 1. Oktober, dem Fest der heiligen Therese von Lisieux, bei uns Postulantin ist. Wir wünschen ihr Gottes Segen und ein hörendes Herz, so dass sie unter der Führung des Heiligen Geistes immer tiefer in unsere Spiritualität und in unsere Gemeinschaft hineinwachsen kann.

Am 19. Oktober, dem Geburtstag des seligen Priesters Georg Häfner, besuchte uns das Pilgerbild des „Barmherzigen Jesus“ der Katholischen Polnischen Mission. Es war eine eindrucksvolle Einstimmung auf das Jahr der Barmherzigkeit, welches am 8. Dezember beginnt. Wir sind Herrn Pfarrer Sobota sehr dankbar, dass er uns den Besuch des Bildes ermöglicht hat. Ist doch die gelebte Barmherzigkeit ein Kernanliegen unseres Heiligen Vaters und ein nie endendes Aufgabenfeld für einen jeden von uns. Möge das Jahr der Barmherzigkeit dazu beitragen, dass wir immer mehr lernen, jeden Menschen mit den Augen Jesu zu sehen. Nur so kann Gottes unendliche Güte auf Erden erfahrbar werden, ist doch Jesus Christus allein dazu Mensch geworden, um uns das barmherzige Antlitz des Vaters zu zeigen.

Was gibt es sonst noch zu berichten? Sr. Anna-Maria musste sich im Sommer wieder einer Rücken-OP mit anschließender Reha unterziehen. Die Behandlung hat ganz gut angeschlagen, sie kann jetzt wieder etwas besser laufen und hat auch weniger Schmerzen.

Bei Sr. Mirjam ist leider der Tumormarker wieder angestiegen, so dass momentan eine erneute Chemotherapie notwendig ist. Für ein Gebetsgedenken für unsere liebe Priorin wären wir Ihnen sehr dankbar!

Am 10.11.15 versetzte uns unsere Schwester Bernadette (aus der Klausur) in Schrecken. Mit ihren 86 Jahren hatte sie sich einen eingeklemmten Leistenbruch zugezogen, welcher sofort notoperiert werden musste. Erfreulicherweise hat sie die OP gut überstanden und ist jetzt wieder auf dem Weg der Besserung.

Vielleicht gelingt es uns im nächsten Jahr, die Kollateralschäden der Fensteraktionen 2012 und 2014 weiter zu beheben, denn die sind leider nach wie vor liegen geblieben. Unsere Hauskapelle hätte dies dringend nötig. Momentan erinnert sie etwas an den Stall von Betlehem.

Soweit ein kleiner Einblick in das, was uns in diesem Jahr bewegt hat. Gerne schließen wir Sie und Ihre Familie, all Ihre Anliegen und Nöte, aber auch Ihre Anlässe zum Danken, in unser Gebet ein und wünschen Ihnen eine gesegnete und gnadenreiche Advents- und Weihnachtszeit, Gottes Schutz und Segen für das ganze Jahr 2016.

So grüßen Sie ganz herzlich
Ihre dankbaren Karmelitinnen von Himmelspforten

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