Karmelitinnenkloster Himmelspforten

Der heilige Josef ist in Himmelspforten –

Der Heilige Josef scheint sich in Himmelspforten wohl zu fühlen! Mit großer Fürsorge hat er in den Jahren 2008 und 2009 die Kirchenrenovierung begleitet und dafür gesorgt, daß wir – durch viele Wohltäter unterstützt – die hohen Rechnungen bezahlen konnten. Nun hat er selbst seinen „Wohnsitz“ bei uns aufgeschlagen. Wie kam es dazu?
Was uns im Traum nicht eingefallen wäre, das fiel einem unserer Freunde und Wohltäter, der namentlich nicht genannt werden möchte, ein: Er hatte nach Abschluß der Renovierungen die Idee, uns eine Steinskulptur des hl. Josef zu stiften, die vor der Kirchentüre ihren Platz finden sollte. Wir waren überrascht und ganz beglückt zugleich! So etwas hätten wir selber nie und nimmer anfertigen lassen! Schließlich könnten wir ja ohne die Spenden unserer Wohltäter nicht überleben und sind von daher auch auf einen äußerst armen Lebensstil bedacht.
Bei der Außenrenovierung der Kirche hatten wir einen überaus künstlerisch begabten und engagierten Steinmetz kennengelernt: Boris Rycek. Bei der Suche, wer wohl die Steinmetzarbeiten ausführen könnte, brachten wir ihn beim Stifter ins Gespräch. Unser Freund war nach dem ersten Zusammentreffen ganz vom Künstler angetan und überzeugt, daß das Werk zu seiner vollen Zufriedenheit ausfallen würde. Für den Künstler und auch den Stifter war es eine spannende Zeit der Arbeit und Zusammenarbeit. Der Stifter, der an der Würzburger Uni einen Seniorenstudiengang in Kunstgeschichte belegt hatte, brachte mit unserem Konvent Ideen zur Skulptur ein. Der Künstler nahm dies wohlwollend auf.
Josef, der Hörende – er ist beispielhaft für unser kontemplatives Leben! Wie sein Leben verlaufen würde, wäre auch dem hl. Josef im Normalfall nicht im Traum eingefallen! Dennoch hörte er Gottes Weisung im Traum und setzte sie 1:1 in die Tat um. Von ihm ist kein einziges Wort in der heiligen Schrift überliefert. Und doch spricht sein Leben Bände! Er nahm die unerhörte Herausforderung Gottes an. Er, der selber den Sohn Gottes auf Erden führen und beschützen sollte, ließ sich wie ein Kind von Gott führen. Schweigend und hörend, ganz gesammelt, hütete er DAS WORT Gottes. Er, dessen ganzes Sein auf Gott ausgerichtet war, ist so Patron des inneren Lebens geworden. Wir alle – nicht nur wir Karmelitinnen – können von ihm lernen, unser ganzes Leben von Gott formen zu lassen, von Gott abhängig zu sein wie die Sonnenuhr von der Sonne und somit Zeugnis zu geben von dem, der für uns das Leben in Fülle will, das Leben bei IHM!
Josef, der Hörende – er ist beispielhaft für eine zweite Dimension unseres karmelitanischen Lebens: der Fürbitte am Throne Gottes. Den Papst Pius IV. am 8. Dezember 1870 zum Schutzherrn der Gesamtkirche erhob, kennt die Last der Arbeit und die Nöte des täglichen Lebens, kennt Flucht und Verfolgung, kennt auch die Not des Sterbens. So steht er da, um all unsere Bitten zu hören. Er hört sie aber nicht nur, sondern trägt sie für uns bittend und flehend vor Gott und erwirkt uns so die göttliche Hilfe. In dieser Haltung ist er unser Vorbild, da auch wir – und hier sind auch wieder alle Gläubigen eingeschlossen – fürbittend füreinander und miteinander Gott um Hilfe anrufen.
Anfang Februar kam der Künstler mit einem Modell zu uns in den Karmel. Wir waren allesamt begeistert! Einige Feinheiten sollten noch geändert werden. Anfang März begann Herr Rycek mit den Arbeiten. Die Bilderdokumentation von der Entstehung der Skulptur ist beeindruckend! Am 7. März entstand das erste Foto, das noch einen unförmigen Steinklotz zeigt, auf dem Hilfslinien für die weitere Arbeit zu sehen sind. Nach und nach werden die Züge der Skulptur feiner. Es wird allmählich das Bild sichtbar, das der Künstler in sich trägt.
Ausgerechnet am 21. April, Mittwoch der dritten Osterwoche, an dem früher das Josefschutzfest gefeiert wurde, war es dann soweit: Herr Rycek kam mit einem seiner Mitarbeiter, um den Sockel und die Skulptur aufzustellen. In das Fundament, das die Firma Göbel in der Woche zuvor gegossen hatte, wurde ein korrosionsfreier Edelstahlstab einzementiert, der ebenfalls in den Sockel hineinragte. Auf die gleiche Weise wurde die Skulptur auf der Stele befestigt. Da stand er nun da in seiner stattlichen Größe und Schönheit! Er wurde bewundert von denen, die „des Weges kamen“: Der Spender, Priorin Sr. Petra, Sr. Maria, Hausgeistlicher StD. Heilmann und stv. Hausgeistlicher Pfr. Nölle und Frau Nölle. Die Freude war bei allen groß! Bis zur Einweihung am 1. Mai, dem Gedenktag Josef, des Arbeiters, sollte der hl. Josef allerdings noch verborgen bleiben. Darum verhüllten der Künstler und der Stifter ihn und er „wurde ihren Blicken entzogen“.
Am 1. Mai hielt unser Mitbruder P. Günter Aldenhoff OCD, Prior des Karmelitenklosters in Würzburg, den Festgottesdienst. Generalvikar em. Prälat Heribert Brander, Pfr. i. R. Robert Seufert und unser stellvertretender Hausgeistlicher Pfr. Ulrich Nölle konzelebrierten. Zur Messe waren nicht nur viele sonntägliche Kirchenbesucher gekommen, sondern auch Freunde, Wohltäter und Vertreter befreundeter Firmen. Ehrengäste in der ersten Reihe waren natürlich der Stifter mit seiner Familie und der Künstler Boris Rycek mit seiner Frau.
Im Anschluß an die Messe trat Sr. Petra an den Ambo und begrüßte in besonderer Weise Herrn Rycek und den Stifter. Als kleines Zeichen des Dankes und der Verbundenheit überreichte sie Herrn Rycek eine Kerze mit unserem Karmelwappen – eine Abbildung des Reliefs aus rotem Sandstein, das er selbst im Sommer 2009 in das Portal unserer Kirche geschmackvoll eingefügt hatte. Dem Stifter überreichte sie das Modell. So wurde die Verbindung zwischen ihm und dem Karmel, die buchstäblich „von Kindesbeinen an“ über viele Jahrzehnte hinweg besteht, noch mal deutlich.
Der Stifter verlas dann die Stiftungsurkunde, die er P. Günter und Sr. Petra zur Kenntnisnahme reichte. Der Stifter stellte dann noch kurz die Biographie und das künstlerische Schaffen des Bildhauers Boris Rycek vor und erläuterte die Ikonographie des dargestellten Heiligen, zu dessen Füßen – exemplarisch für die Gesamtkirche – unsere Kirche im halbplastischen Reliefstil steht.
Nach der Messe zogen Priester, Schwestern und Gläubige vor die Kirche. Nach einigen einführenden Worten lüftete der Künstler endlich das gut gehütete Geheimnis und zog die Verhüllung weg. Am lauten Beifall war erkennbar, daß das gelungene Werk alle beeindruckte. P. Günter segnete dann die Skulptur, besprengte sie mit Weihwasser und beweihräucherte sie. Den Abschluß bildete ein Gebet zu Ehren des hl. Josef und natürlich das „Großer Gott wir loben dich“, das alle Versammelten aus voller Kehle sangen.
Mit großer Dankbarkeit schließen wir den Stifter und seine Familie in unser Gebet ein! Ein herzliches „Vergelt’s Gott!“ So etwas hätten wir uns niemals träumen lassen…! Aber bei Gott ist ja nichts unmöglich! Offenbar beim hl. Josef nahezu auch nichts!

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