Buchrezension

Rezension zu dem Buch: Elias M. Haas, OCD, Kontemplativ leben mit Johannes vom Kreuz. Eingeübt nach dem Jesusgebet nach Franz Jalics. ci Verlag Wien, 2025

Als erstes fällt bei diesem handlichen Büchlein mit seinen 100 Seiten das anziehende und motivierende Coverfoto auf. Es zeigt geöffnete Hände vor einem hellen Licht. Das lädt zum Zugreifen ein!

Das Buch ist als Manuale angelegt, um einen sechs Wochen umfassenden Weg einer Gruppe anzuleiten. Wie bei Exerzitien im Alltag gibt es für jede Woche einen Impuls, eine praxisorientierte Methode und Hinweise zur Übung in der jeweiligen Woche. In sechs Kapiteln (entspricht je einer Woche) wird eine Einweisung in das Jesusgebet gegeben.

Wer das Grundlagenwerk von Franz Jalics kennt (Kontemplative Exerzitien) und die von Johannes vom Kreuz überlieferte Literatur, wird sich über eine Zusammenfassung freuen, die nur 100 Seiten umfasst. Der Anspruch des Autors ist es, das „liebende Aufmerken“ bei Johannes mit der „Wahrnehmung“ von Franz Jalics so zu verbinden, dass die karmelitanische Spiritualität vom Jesusgebet befruchtet wird. Und zwar ausdrücklich methodisch. Die existentielle karmelitanische Gebetsweise schaut auf die Liebesbeziehung – dazu braucht es keine Methode, sondern nur Zeit, Stille und liebendes Aufmerken. So fügt P. Elias Worte des hl. Johannes vom Kreuz sowohl in den Grundlagenimpulsen als auch in den Übungsanleitungen in jeder Woche ein. Sie werden verbunden mit den Anleitungsschritten der Jalics-Fassung des Jesusgebets.

Dessen Didaktik wird verständlich erklärt: die Meditation mit dem Atem, mit den Händen, dem Wort „Ja“, dem Namen „Maria“, dem Namen „Jesus“. P. Elias vertieft das Thema Vergebung, fügt eine Anleitung zur Atemmeditation an und stellt die Biographien des Johannes vom Kreuz und von Franz Jalics nebeneinander. So erschließt er Zusammenhänge und Parallelen.

Das Buch gewinnt an Authentizität durch die spirituellen Erfahrungen von P. Elias, der seine Basis beschreibt: die zwei Stunden des inneren Betens am Tag ohne methodische Erklärungen; das bestätigt meine eigenen Erfahrungen mit karmelitanischer Praxis. Es gibt viele ausschmückende Beschreibungen karmelitanischer Spiritualität mit Betonung des methodenfreien Zugangs zur Kontemplation, aber nur wenig positive Konkretion, wie das gehen soll. Diese Lücke füllt P. Elias mit seinem Buch, das als Brücke gedacht ist: „Kontemplation ist die Erfahrung einer Beziehung wie zwischen Verliebten, da braucht es keine Gebetsmethoden mehr… Gott erwacht im Innersten des Menschen.“ (90) So schreibt jemand, der die Brücke überquert hat. Er weiß, dass Kontemplation nicht machbar ist, denn sie ist Handeln Gottes. Um dieses Geschenk zu empfangen, braucht es das, worin sich Johannes vom Kreuz und Franz Jalics treffen: Stille, liebevolle Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Dorthin führt P. Elias´Büchlein.

Lutz Müller SJ

Weitere infos zum Buch gibt es hier: https://karmelitinnen-wuerzburg.de/allgemein/neuerscheinung-ab-10-dezember-2025/